Magdeburger Volksstimme vom 09.12.2009
Die Zahl der Schulabgängerwird in den kommenden Jahren sinken. Unternehmen konkurrieren zunehmend um gute Auszubildende. Das bekommt auch die Composite-Branche zu spüren, also das Technologiefeld der kohlenstoff- und glasfaserverstärkten Kunststoffe. Ein Regionales Ausbildungsnetzwerk zur Fachkräftesicherung (AuCom) soll Abhilfe schaffen.
Von Mandy Ganske
Haldensleben.
„Es wird wichtiger,was die Unternehmen ihren Auszubildenden an Qualität bieten“, sagt Peter Albrecht, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Regionalbüros Ost von Jobstarter, eine bundesweit vom Bildungsministerium geförderte Initiative, um Schulabgänger und die bestehenden Ausbildungsplätze zusammenzubringen. Und was die Branche der Faserverbundstoffe zu bieten hat, soll Schülern in der Phase ihrer Berufsorientierung über die Initiative AuCom vermittelt werden, die von Jobstarter bis 2011 gefördert wird.
Daran beteiligen sich gut 20 Unternehmen in der Region Magdeburg-Haldensleben, in der Landeshauptstadt zum Beispiel Schuberth, wo Schutzhelme gefertigt werden, und die Groß-Rotorblattfertigung, die Windräder herstellt, außerdem XtremeAir in Cochstedt, ein Produzent von Flugzeugen für den Motorkunstflug, sowie Polystal und IFC in Haldensleben. In Haldensleben befindet sich auch das Innovationszentrum für Faserverbunde „InnComposites“, unter dessen Dach Forschung und Entwicklung sowie Aus- und Weiterbildung vereint werden sollen.
Für einen Erfahrungsaustausch von AuCom treffen sich die Vertreter der Branche dort regelmäßig – zuletzt für einen Ausbildungsworkshop. Dabei haben 30 Teilnehmer aus 15 Unternehmen mit Vertretern des sachsen-anhaltischen Wirtschaftsministeriums sowie mit Albrecht von Jobstarter beraten, wie Auszubildende für die neuartigen Werkstoffe ihrer Branche begeistert werden können. „Bei Metall bekommt man einen Werkstoff, um ihn zu bearbeiten. Hier aber stellt man ihn erst einmal her“, macht Holger Klotzbach deutlich, Personalreferent der Groß-Rotorblattfertigung GmbH. Als erste Initiative von Au-Com wurde ein Kurzfi lm gedreht,der genau das veranschaulicht und zeigt, wie aus Faserverbundstoffen Helme und Windräder entstehen.
Die Berufswege dorthin sind vielfältig, allen voran führt die Ausbildung des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik in diese Betriebe. Der Film dazu soll innerhalb der nächsten Wochen über den Landesbildungsserver Sachsen-Anhalt abrufbar sein. Liona Hoffmann war als Lehrerin für Technik und Wirtschaft beim Workshop dabei und sieht in dem Film eine wichtige Ergänzung für ihren Unterricht: „Es ist einfach so, dass man solche Berufe gar nicht erklären kann.“ Bis 2011 wollen die Netzwerkpartner weitere Initiativen starten, um dem entgegenzuwirken und Bewerber mit Realschulabschluss sowie guten Mathe- und Physikkenntnissen in ihre Arbeitsräume zu locken. Dazu gehören Führungen, Schnupper-,Berufsorientierungs- und Projekttage – an der Schule oder im Betrieb.
Der Aufbau eines dualen Studiums an der Hochschule Magdeburg-Stendal für 2011/2012 soll langfristig ebenfalls Fachkräfte sichern. Für die weitere Ideenfindung haben die Organisatoren des Workshops auch Synergien mit anderen Personalern und Netzwerken gesucht.
Gefördert als JOBSTARTER-Projekt aus den Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und dem
Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union.